Biographie von Voltaire
(1694 - 1778)

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1694

François Marie Arouet wird am 21. November als drittes Kind einer Familie, deren Vater Steuereintreiber des Rechnungshofes ist, in Paris geboren.

1704

Von 1704 bis 1711 absolviert er ein brilliantes Rhetorik- und Philosophiestudium in der Jesuitenschule Louis Le Grand . Diese Erziehung führt ihn schliesslich zu den Freuden der Konversation und des Theaters hin.

Sein Pate, der Abt von Châteauneuf, stellt ihn Ninon de Lenclos vor, obwohl diese älter als 80 Jahre ist. Die Legende besagt, dass die ältliche, sich von dem jungen Mann geschmeichelt fühlende Kurtisane ihn in ihrem Testament bedacht hat.

1714

Sein Pate, der Abt von Châteauneuf, stellt ihn in den mondänen und ausschweifenden Umkreisen von Paris vor. E zieht so von Schloss zu Schloss und belebt die galanten Dinner.

1716

Seine satirischen Schriften über Inzest-Lieben erregen einen Skandal. Diese Mischung aus Unverschämtheit und Unbewusstheit bescherten ihm elf Monate Haft in der Bastille (Mai 1717 bis April 1718).

1718

Sogleich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nimmt der junge Arouet das Pseudonyme Voltaire an (möglicherweise ein Buchstabenspiel aus A.R.O.V.E.T L.e I.eune - wobei le jeune Junior bedeutet). Er bringt seine erste Tragödie, Ödipus, heraus, und hat damit einen grossen Erfolg.

1720

Das Staatsoberhaupt, der kaum nachtragend war, bewilligt ihm eine Rente. Nach dem Tod seines Vaters erhält er ein anständiges Vermögen.

1723

Er veröffentlicht Die Henriade, ein Epos, das der Grösse Henri IV gewidmet ist.

1725

Er wird für die Theateraufführungen anlässlich der Hochzeit von Ludwig XV verantwortlich benannt.

1726

Nach einem heftigen Wortwechsel mit dem Ritter de Rohan wird Voltaire erneut für zwei Wochen in der Bastille inhaftiert.

Nach seiner Entlassung geht er nach England ins Exil. Dort verbringt er zweieinhalb Jahre.

Dieser Aufenthalt in der englischen parlamentarischen und liberalen Monarchie beeinflusst ihn sehr. Er entdeckt dort insbesondere religiöse Toleranz und einen "Hauch" von Freiheit.

1728 Er widmet Die Henriade der Königin von England. Dieses Werk wird von den Engländern hoch geschätzt.
1729 Rückkehr nach Frankreich.
1731 Die Geschichte von Karl XII. Die Regierung verordnet die Beschlagnahmung des Werkes, jedoch wird dieses heimlich in Umlauf gebracht.
1732 Zaïre, eine Tragödie, die er in der Zeit von drei Wochen geschrieben hat. Er feiert einen riesigen Erfolg und erscheint als würdiger Nachfolger von Corneille und Racine.
1773 Der Tempel des Geschmacks.
1734 Philosophische Briefe. Voltaire rühmt darin die politischen Sitten Englands; für ihn eine Art, die Fehler der französischen Monarchie blosszustellen. Diese Briefe verursachen einen enormen Skandal. Sie sind dazu verurteilt, verbrannt zu werden, und Voltaire muss, um der Bastille zu entkommen, Paris verlassen. Er findet im Schloss von Emilie du Châtelet (in Cirey in der Champagne) Zuflucht. Dort bleibt er zehn Jahre und widmet sich ganz der Lehre, dem Schreiben, physikalischen Experimenten und der wissenschaftlichen Philosophie. Er verfasst ausserdem mehrere Theaterstücke.
1735 Lehrbuch der Metaphysique.

Mort de Jules César
1736 Le Mondain, ein Gedicht über das Glück, auf der Welt zu sein, das gleichzeitig geniesserisch und ironisch ist.

Alzire oder die Amerikaner

Der verlohrene Sohn

Im August nimmt Voltaire briefliche Verbindung mit Friedrich II, dem Kronprinzen von Preussen, auf. Dieser Schriftverkehr führt 1741 schliesslich zu Voltaires erstem Besuch in Berlin bei Friedrich dem Grossen, der inzwischen König von Preussen geworden ist.
1738 Éléments de la philosophie de Newton, ein allgemeinverständliches Werk, welches weitreichend zu der Verbreitung neuer Ideen beitrug.ouvrage de vulgarisation qui contribua largement à la diffusion des idées nouvelles.
1739 Une Vie de Molière
1741 Mahomet oder Der Fanatismus, ein Essai über das Drama der Macht.
1744

Der Graf von Argenson, der inzwischen Minister für auswärtige Angelegenheiten geworden ist, holt Voltaire nach Paris zurück. Er wird von Mme de Pompadour, der neuen Favoritin des Königs, unterstützt. Er wird Historiograph des Königs Ludwig XV.

Die Schlacht von Fontenoy

1746 Voltaire wird in die Académie Française aufgenommen.
1748 Zadig, das erste wichtige philosophische Märchen von Voltaire. Es handelt vom menschlichen Schicksal, von Glück, von Bestimmung, von Gut und Böse...Il traite de la destinée humaine, du bonheur, du destin, du bien et du mal…

Semiramis, Tragödie.

Voltaire wird von dem Königspaar nicht sehr geschätzt. Das öffnet ihm die Augen, und er zieht sich enttäuscht mit Emilie de Châtelet an den Hof von Stanislav, dem König von Polen, nach Lunéville zurück.
1749 Die Marquise de Châtelet, die eine Affäre mit dem jungen Poeten Saint-Lambert hatte, stirbt im Wochenbett. Dieser Tod geht Voltaire tief zu Herzen, und er entscheidet daraufhin, die Einladung Friedrichs II wieder anzunehmen und nach Preussen zu fahren.
1750 Oreste

Entgegen der Gewohnheit, wird Voltaire seine Funktiondes Histographen entzogen. Er begibt sich nach Berlin an den Hof von Friedrich II von Preussen. Die Beziehung zwischen dem König der Philosophen und dem philosophischen König sind zuerst idyllisch, werden jedoch bald getrübt.
1751 Das Jahrhundert von Ludwig XIV
1752 Micromégas, philosophisches Märchen, welches von der Relativität des Wissens handelt.
1753 Zwistigkeiten zwischen Friedrich II und Voltaire. Der Philosoph muss Deutschland verlassen. Frankreich verweigert ihm das Asyl aufgrund des Skandals, der durch die Piratenauflage seines Abrisses der Universellen Geschichte verursacht wurde. Voltaire lässt sich in Ferney, in der Nähe von Genf, nieder.
1755 Im März lässt er sich gemeinsam mit Mme Denis bei Genf nieder. Er kauft ein Gut, das er "Les Délices" (Die Freuden) tauft.
1756

Ein Essai über die allgemeine Geschichte sowie Lebensweisen.

Voltaire spielt eine wesentliche Rolle für die Wiederauflebung der Geschichtsstudiene.

Gedicht über das Desaster von Lisabonne.

Erste Unstimmigkeiten mit Rousseau bezüglich der Frage nach der Vorhersehung..

1757 Mitarbeit am siebenten Band der Enzyklopädie. Die Genfer Machthaber sind mit seinem Artikel Genf nicht zufrieden, da dieser ernste Kritik an der Republik und der calvinistischen Religion enthält.
1759 Candide, philosophisches Märchen, das als eines seiner Meisterwerke betrachtet wird. Der Held, Candide, ist ein junger, leichtgläubiger Mann, dem sein Hauslehrer Pangloss eine sehr einseitige Theorie des Otimismus einbläut. Die Missgecshicke des jungen Helden schelten diese Lehre Lügen. Dies erlaubt Voltaire, sich über alle metaphysischen Theorien, die den Proben der Realität nicht standhalten, zu moquieren. Jenseits von Intoleranz, Fanatismus, Misstrauen und Aberglauben , ist Candide auch eine Verteidigung des Pragmatismus, der als eine Form von Klarheit und Weisheit dargestellt wird.
1760 Voltaire lässt sich in Ferney nieder. Er wird aus dieser kleinen Stadt im Land von Gex eine Hochburg des intellektuellen Europas machen. Er veranlasst eine Korrespondenz zwischen mehreren Machthabern : der Zarin von Russland Katharina II , Friedrich II, den Königen von Polen, Dänemark und Schweden. Aus Paris bezeugen ihm ebenfalls einflussreiche Persönlichkeiten ihre Unterstützung : Choiseul (Aussenminister), d’Alembert, Richelieu, Turgot, Condorcet…
1762 Voltaire verteidigt Calas, einen Hugenotten, der ohne Beweise verurteilt wurde, angeklagt, seinen Sohn getötet zu haben, den er verdächtigte, zum Katholizismus konvertieren zu wollen.
1763 Lehrbuch der Toleranz anlässlich des Tods von Jean Calas.

Dieses Lehrbuch über die Toleranz ist ein Protest gegen die Ungerechtigkeit, die dem Angeklagten zuteil wurde, und gegen den Fanatismus, der aus einer Anklage, die aus Gerüchten und Hass resultierte, hervorgegangen ist.
1764 Philosophisches Wörterbuch.

Voltaire verspottet darin die Metaphysique, Fanatismus, die Theologie und stellt darin seine politischen Prinzipien dar : zu Recht, Staat und Regierung... sowie Kommentare zu Corneille.
1765 Die Philosophie der Geschichte
1770 Neun Bände der Fragen zur Enzyklopädie
1772 Epître à Horace
1775 Briefe des M. de Voltaire an die Académie Française
1778 Voltaire verlässt Ferney am 5. Februar.Triumphale Rückkehr nach Paris. Voltaire stirbt am 30. Mai und hat ein fast heimliches Begräbnis, da die Kirche ihm die Beisetzung verweigert hat. Hatte er doch im Februar, vier Monate vor seinem Tod, vergebens in vollstem Vertrauen verkündet : " Ich sterbe in Liebe zu Gott, in Liebe zu meinen Freunden, ohne Hass gegen meine Feinde, mit Verabscheuung des Aberglaubens.."
1791 Seine Überreste werden ins Pantheon überführt.

 





—Europäisches Pädagogisches Projekt Stefan Zweig—